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Workation

Der Begriff „Workation“ setzt sich aus den beiden englischen Begriffen Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) zusammen. Auf den ersten Blick stehen diese Begriffe für zwei unvereinbare Dinge: Wer im Urlaub ist, will abschalten und nicht arbeiten. Wer arbeitet, soll sich auf die Arbeit konzentrieren und dabei erholt er sich in der Regel nicht. Auf den zweiten Blick beschreibt Workation ein neues Arbeitsmodell: Die Arbeit an einem beliebigen (Urlaubs-)Ort erledigen.

Workation ist dabei klar von „Work and Travel“ abzugrenzen. Beim Work and Travel geht es darum, einen Auslandsaufenthalt durch Gelegenheitsjobs zu finanzieren. Beim Workation wird ein Hauptjob ausgeübt – die regelmäßige Arbeit wird aber nicht an einem festen Arbeitsplatz erledigt, sondern an verschiedenen Orten, oftmals in der ganzen Welt.

Neuer Trend durch vermehrtes Homeoffice und voranschreitender Digitalisierung

Eigentlich liegt der Trend auf der Hand: Wer öfters im Urlaub von seinem Arbeitgeber kontaktiert wird und vermeintlich dringende Arbeiten auf die Schnelle doch noch liefern muss, kann eigentlich auch auf Dauer im Urlaub bleiben und von dort aus seine Arbeit erledigen. Oder andersherum: Wer seine tägliche Arbeitsroutine im Homeoffice verbringt und sowieso alleine am Schreibtisch arbeitet, kommt schnell auf die Idee, den individuellen Arbeitsort an einen attraktiven Arbeitsort zu verlegen. Also warum nicht die Augen nach acht Stunden Bildschirmtätigkeit entspannen und den Blick über das Meer oder eine weite Berglandschaft schweifen lassen statt über die Betonmauer zum Nachbarn?

Auch ein längerer Aufenthalt in einer interessanten Stadt oder ein entfernter Ort an dem man Freunde hat, kann ein Einstieg in das neue Arbeitsmodell sein. Warum nicht die Gelegenheit nutzen und den Feierabend da verbringen, wo man sich mit netten Menschen austauschen oder interessante Plätze besichtigen kann?

Für wen eignet sich das Arbeitsmodell Workation?

Das Arbeitsmodell eignet sich nur für bestimmte Berufsgruppen: Voraussetzung ist, dass die Aufgaben ohne persönliche Anwesenheit im Büro oder beim Kunden erledigt werden können. Es handelt sich also um Arbeitnehmer, Selbständige oder Freiberufler, die ihre Tätigkeit ausschließlich digital, beispielsweise über mobile Endgeräte, erledigen können. Typische Berufsgruppen, bei denen Workation möglich ist, sind beispielsweise:

  • Blogger und Schriftsteller
  • Programmierer und Softwareentwickler
  • (Grafik-)Designer
  • Buchhalter
  • Vlogger und Podcaster
  • Lektoren und Übersetzer
  • Karikatur- und Comiczeichner
  • SEO-Spezialisten und Webdesigner

Auch Karriere- oder Unternehmensberater können über Skype, Telefon oder andere Kommunikationsmedien ihre Arbeitsleistung von jedem beliebigen Arbeitsort durchführen.

Zusätzlich sollten digitale Arbeitsnomaden über eine hohe Selbstdisziplin und ein gutes Zeitmanagement verfügen. Sie sollte aufgeschlossen gegenüber Neuem sein und sich selbst gut motivieren können. Weiterhin ist für dieses Arbeitsmodell eine gute Internetverbindung unerlässlich und in der Regel ein ruhiger Platz zum Arbeiten vorhanden sein. Mittlerweile haben schon einige Hotels und Coworking-Spaces den neuen Trend erkannt und bieten attraktive Arbeitsplätze mit guter Ausstattung zu fairen Preisen und individueller Mietdauer an.

Vorteile von Workation

Es gibt einige gute Gründe, warum sich immer mehr Menschen und Unternehmen für dieses Arbeitsmodell entscheiden:

  • Mitarbeiter sind flexibler und können ihre Reiselust gut mit der Arbeitsroutine verbinden.
  • Oft fördert das Modell die Kreativität, da sich Mitarbeiter an schönen, selbstgewählten Orten besser entspannen können bzw. immer wieder neue Impulse bekommen.
  • Unternehmen können durch ein Angebot von Workation gut ausgebildete Fachkräfte und junge Nachwuchskräfte besser für sich gewinnen und langfristig halten.
  • Im optimalen Fall wird die Mitarbeitermotivation und damit die Arbeitsproduktivität gesteigert.

Nachteile von Workation

Trotz aller Vorteile, sollten auch die möglichen Nachteile nicht unberücksichtigt bleiben:

  • Mitarbeiter können sich unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie ihr Arbeits- und Privatleben nicht gut voneinander trennen können.
  • Angestellten Mitarbeitern wird oft (berechtigt oder unberechtigt) von Kollegen, oder Vorgesetzten unterstellt, die Arbeit nicht ordnungsgemäß zu erfüllen.
  • Der Arbeitgeber hat wenig Kontrolle über die Arbeitszeit des Mitarbeiters.
  • Workation kann zu schlechter Stimmung, Neid und Missgunst innerhalb eines Teams führen.
  • Für Freiberufler und Selbständige ist die Entfernung zu Kunden und Geschäftspartnern oft ein Nachteil bei der Projektakquise und der Kommunikation.
  • Die Kommunikation kann durch die Zeitverschiebung erschwert werden.

Workation gut vorbereiten

Sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, ihren Arbeitsort auszulagern, sollten Sie dies gut vorbereiten. Möchten Sie innerhalb von Deutschland bleiben, sich verschiedene Regionen anschauen und beispielsweise in verschiedenen Business-Centern temporär arbeiten? Dann bleiben Sie auch in Deutschland sozialversichert.

Sind Sie teilweise oder dauerhaft in anderen Ländern unterwegs, gelten andere Regeln – hier ist auch ein wesentlicher Unterschied, ob Sie innerhalb oder außerhalb der EU arbeiten, wo sich der Sitz Ihres Arbeitgebers befindet und ob Sie Ihren Hauptwohnsitz weiterhin in Deutschland haben oder nicht. 

Was sich im ersten Moment toll und einfach anhört, ist im konkreten Fall nicht ganz so einfach in der Umsetzung. Doch lohnt es sich in jedem Fall, das Arbeitsmodell Workation einmal für sich zu überdenken. Im optimalen Fall erreichen Sie mehr Lebensqualität, mehr Kreativität, viele neue Eindrücke und mehr Spaß bei der Arbeit.

Fazit

Workation ist ein Trend, der sich immer weiter durchsetzt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und den andauernden Fachkräftemangel werden immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern ermöglichen, flexibel von verschiedenen Orten aus zu arbeiten. Auch der demografische Wandel kann dazu beitragen, dass immer mehr gefragte Fachkräfte auch nach dem Eintritt in das Rentenalter (regelmäßig oder unregelmäßig) Aufgaben übernehmen und sich dabei offenhalten, wo sie diese durchführen.