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Rechtsanspruch auf Homeoffice

In den Niederlanden schon normal – und in Deutschland?

Seit Juli 2015 haben die Arbeitnehmer in den Niederlanden einen Rechtsanspruch auf Arbeiten im Homeoffice – auf Antrag und wenn von Arbeitgeberseite keine schwerwiegenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, wurde das Arbeiten von zu Hause aus erst durch die Corona-Pandemie von staatlicher Seite „dringend empfohlen“, allerdings ohne gegenüber der Wirtschaft wirklich Druck auszuüben. Und wie ist die Lage in Deutschland?

Komplizierte Gesetzeslage – ein Hin und Her

Im Januar 2021 wurde mit der Corona-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) die Pflicht für Arbeitgeber verankert, mit Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen – wobei die Arbeitnehmer nicht verpflichtet waren, das Angebot anzunehmen. Mit der am 21.04.2021 beschlossenen „Bundes-Notbremse“ wurden die Regelungen zum Homeoffice in das Infektionsschutzgesetz überführt (§ 28 b Abs. 7 IfSG) – mit einer bis zum 30.06.2021 befristeten Neuerung: Die Beschäftigten hatten das Homeoffice-Angebot anzunehmen, soweit nicht beispielsweise beengte Verhältnisse, Störungen oder eine unzureichende Ausstattung dies nicht erlaubten. Seit November 2021 gilt aber wieder der alte Status (§ 28 b Abs. 4 S. 1 IfSG n.F.), nach dem Beschäftigten Homeoffice nur angeboten werden muss. Diese Regelung ist befristet bis 19.03.2022. Wer weiß, wie es danach weitergeht ...

Das flexible Konzept – Arbeiten im Homeoffice

Dabei gibt es viele gute Gründe für die Arbeit von zu Hause aus. Letztlich schafft das Homeoffice die Rahmenbedingungen dafür, das Berufs- und das Privatleben besser aufeinander abzustimmen. Die Work-Life-Balance kann so leichter erreicht werden, die Arbeit und private Aufgaben kollidieren zeitlich nicht mehr und werden miteinander vereinbar.

Ganz konkret wird es so möglich, während der Arbeitszeit – quasi „parallel zur Arbeit“ – für außerberufliche Pflichten bereit zu stehen: Kinder zu betreuen, Angehörige zu pflegen, dem lang ersehnten Handwerker oder dem Lieferdienst die Tür zu öffnen. All dies muss ja nicht zwangsläufig „in Vollzeit“ geschehen, sondern wird in Form eines Bereitschaftsdienstes angelegt. Im Homeoffice ist man schlicht „da“, um bei Bedarf Aufgaben wahrzunehmen, Fragen zu beantworten, oder was sonst so anfällt „mal eben“ zwischendurch zu tun.

Im Gegenzug wird dann vor oder nach der vereinbarten Kernarbeitszeit gearbeitet, um das Arbeitspensum zu schaffen. Oder es wird am eigentlichen Feierabend nochmals der Laptop aufgeklappt und ein Schriftstück bearbeitet, eine Mail beantwortet oder noch schnell ein wichtiger Gedanke für eine Online-Präsentation notiert, der einem beim Abendessen oder beim Ausgleichssport gekommen ist.

Diese Flexibilität ist es, was das Konzept „Homeoffice“ für die Arbeitnehmer so attraktiv macht.

Viele Arbeitgeber sind skeptisch

„Wem man nicht auf die Finger schaut, der arbeitet auch nicht!“ Dieser Grundsatz aus der Steinzeit des Kapitalismus ist auch heute noch in vielen Köpfen auf Arbeitgeberseite fest verankert. Dabei ist nachgewiesen, dass motivierte Arbeitnehmer sich mit ihrer Arbeit identifizieren und mehr leisten als das von Arbeitgeberseite vorgeschriebene oder mit dieser vereinbarte Soll –  auch ganz ohne Aufsicht, wie beispielsweise im Homeoffice.

Als tatsächliche Gegenargumente können allerdings, von beiden Seiten, die eingeschränkte Kommunikation – physische Abwesenheit und fehlende Nähe bei betrieblichen Absprachen wie Teambesprechungen oder Unterweisungen –, mangelnde soziale Kontakte oder die bessere technische Ausstattung im Betrieb angeführt werden. Videokonferenzen und Online-Meetings bieten hier nur unvollständigen Ersatz. Und unbedingt festgelegt werden sollten Kernarbeitszeiten oder „Sprechzeiten“, bei denen der Mitarbeiter im Homeoffice auch auf jeden Fall erreichbar ist.

Homeoffice als Arbeitsmodell für die Zukunft?

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) waren im August 2021 23,8 Prozent der Beschäftigten zumindest zeitweise im Homeoffice tätig, im Dezember lag die Quote bei 27,9 Prozent – gegenüber rund 12 Prozent Mitte 2015 und einem Höchstand von fast 35 Prozent im 2. Quartal 2020. Der Corona-Ausbruch hat das Homeoffice ordentlich geboostert und viele Organisationen reagieren flexibel auf die jeweilige pandemische Lage.

Aber kehrt langsam die Normalität zurück und werden die betrieblichen Arbeitsplätze langfristig wieder besetzt?

Viele Studien zeigen dabei auf, dass die Rückkehr an den betrieblichen Arbeitsplatz – zumindest in Vollzeit – gar nicht mehr gewünscht wird. Interessanterweise stimmen dieser Aussage auch immer mehr Verantwortliche auf Arbeitgeberseite zu. Einige Unternehmen sind bereits dazu übergegangen, sich auf die neue Arbeitssituation einzustellen und Büroflächen zu verringern, Schreibtisch-Sharing im Büro einzuführen und (bau-)technisch aufzurüsten.

Natürlich können viele Arbeiten nicht von zu Hause aus erledigt werden: Stahl gießen, eine Welle drehen oder ein Auto zusammenbauen geht nur in der Werkhalle. Aber Administration, Buchhaltung, Marketing oder konstruktive Entwicklungsarbeiten im Ingenieurbereich beispielsweise brauchen als Handwerkszeug oft nur einen leistungsstarken Computer und eine stabile, schnelle Internetverbindung. Hier hat das Homeroffice durchaus Zukunft.

Fazit

Der eigene Workflow ist bei jedem Arbeitnehmer verschieden, je nach individuellem Tagesrhythmus und je nach aktuellen – persönlichen – Rahmenbedingungen. Bei Weitem nicht alle, die „nine to five“ an ihrem Arbeitsplatz zu finden sind, sind auch durchgehend produktiv tätig. Die besten Ergebnisse werden von denjenigen erzielt, die sich motiviert ans Werk machen.

Das Homeoffice bietet hier oftmals mehr Ansporn als der nur durch tägliches Pendeln zu erreichende Arbeitsplatz im Betrieb. Das Arbeiten von zu Hause aus sollte daher für Firmen eine Option sein, den Arbeitnehmern ein Stück Flexibilität zu ermöglichen: Stimmt die Work-Life-Balance, sind die Beschäftigten motiviert und arbeiten effizient. Dies kann nachhaltig die Unternehmenskultur fördern – und hat sogar wirtschaftliche Vorteile.